Tripadvisor: Warum wir der Eule den Vogel zeigen!

Tripadvisor Mania. Wir kennen Ihn alle: Den allgegenwärtigen, aus-dem-Kommerztourismus-nicht-mehr-wegzudenkenden Tripadvisor-Vogel. Ständig finden wir Ihn an Hoteltüren, auf Restaurant-Tafeln und noch penetranter im Internet.

Tripadvisor Vogel

Nur was steckt eigentlich hinter dem Ganzen? Wobei hilft mir der Vogel denn nun genau? Und wie fair ist das ganze System genau aufgebaut? Diesen Fragen widme ich mich in diesem Bericht.

Gleich vorweggenommen: Ich war selber einige Zeit lang Anhänger der Eule. Sie macht es einem ja auch zu einfach; an einem unbekannten Ort angekommen sagt sie mir gleich wo ich das tollste Restaurant finde, über welchen Tourenveranstalter ich die unvergesslichste Tour buchen kann oder in welchem Hotel 90 % der Bewertenden besonders gut geschlafen haben. Doch nach mittlerweile insgesamt 8 Monaten auf Reisen hat sich meine Meinung zu dem Thema gründlich geändert…

 

Hier die Punkte, die mich am meisten nerven:

 

Service lässt zu Wünschen übrig, Preis steigt

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass sich das jeweilige Restaurant/Hotel/Reisebüro etc. ein Bein ausreisst um seine Kunden zufriedenzustellen und nach und nach gute Bewertungen auf Tripadvisor zu erhalten. Und irgendwann erreichen sie dann den Punkt, an dem ihnen das „Certificate of Excellence“ für das jeweilige Jahr ausgestellt wird…

Und genau dann verändert sich alles zum Negativen! Ab diesem Zeitpunkt steht das jeweilige Unternehmen nämlich bei jeder Empfehlung ganz oben und die Touristen rennen ihnen die Bude ein. Und was passiert als nächstes? Richtig, der Preis steigt. Auch anstrengen muss man sich jetzt nicht mehr so, denn seit man beim Tripadvisor ganz oben steht kommen die Leute ja sowieso?

Wir haben es schon hundertmal erlebt – du betrittst zb. ein Restaurant an dessen Türe dir gross der Tripadvisor-Vogel mit dem dazugehörigen Certificate entgegenlächelt. Du setzt dich hin, bemerkst erstmal dass der Tisch nicht sauber ist. Schaust du dich um stellst du fest, dass das Restaurant mal ein super Konzept ins Leben gerufen hat! Aber auch, dass leider alles ein bisschen vernachlässigt wird. Du schlägst die Karte auf und dir fallen gleich die – im Gegensatz zu den umliegenden Restaurants – die erhöhten Preise auf. Du bestellst, wenn du Glück hast bei einer freundlichen Angestellten – wenn nicht bei einer eher gezwungen lächelnden Servicekraft nach dem Motto „wir haben langsam die Schnauze voll von euch allen“. Und das Curry, der Burger oder die Fajitas die im Tripadvisor so in den Himmel gelobt wurden empfindest du schlussendlich auch als eher durchschnittlich.

Wir nennen das das „Tripadvisor-Syndrom“. Eine sehr bedauernswerte Entwicklung.

 

Tripadvisor macht „die Kleinen“ kaputt

Stellen wir uns vor, ein holländischer Auswanderer eröffnet in Südostasien ein europäisch inspiriertes Lokal mit einigen Importbieren und westlichem Essen wie Burger, Spaghetti etc. Natürlich weiss der Holländer von Tripadvisor, und von der Macht die von dessen Bewertungen ausgeht. Also registriert er sein Lokal bei Tripadvisor und fragt seine zufriedenen Gäste beim Bezahlen „wenns euch gefallen hat, könnt ihr nicht einen guten Kommentar bei Tripadvisor hinterlassen?“. Und schwups rangelt sich das Lokal in Windeseile an die Spitze der Liste der beliebtesten Lokale am jeweiligen Ort.

Stellen wir uns jetzt auch vor, dass gegenüber des Holländers ein Vietnamese oder ein Thai bereits seit mehreren Jahrzehnten ein superleckeres Restaurant führt, in dem man für wenig Geld lokale Köstlichkeiten geniessen kann. Früher kamen immer wieder mal ein paar westliche Touristen in sein Lokal um die lokalen Gerichte zu probieren. Doch seit der Holländer gegenüber sein Lokal eröffnet hat, biegen die Touristen zielsicher mit dem Handy in der Hand um die Ecke, erblicken das holländische Lokal „oh schau, da ist es“ und gehen ohne den Einheimischen eines Blickes zu würdigen hinein.

Da steht er nun, der Einheimische. Fragt sich Tag für Tag, was er falsch macht oder schiebt es vielleicht auf die westlichen Speisen, welche er nicht hat. Schlimmstenfalls verbannt er in Zukunft sogar sein leckeres einheimisches Essen aus seiner Karte, tut es dem Holländer gleich und findet irgendwann auch heraus was der grüne Aufkleber an der Glastür des Holländers zu bedeuten hat.

Klar kann sich der Einheimische nun auch bei Tripadvisor anmelden und es dem Holländer gleichtun. Aber sind wir mal ehrlich: Ist DAS sinnvoll und nachhaltig? Ich denke nicht.

 

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Tripadvisor zerstört „Geheimtipps“

Lieben wir sie nicht alle, die Geheimtipps von Freunden, anderen Reisenden oder Einheimischen? Meistens gibt es irgendwo die eine Perle, die vom Massentourismus bisher verschont wurde oder etwas abseits in einer versteckten Seitengasse liegt. Und dann kommt der Besitzer auf die Idee, das Restaurant bei Tripadvisor einzutragen und Boooom, wird das Lokal mitten auf dem Haupt-Trampelpfad des Kommerztourismus katapultiert.

Wäre es manchmal nicht schöner, ein Geheimtipp würde ein Geheimtipp bleiben…? Denn deswegen lieben wir sie ja so.

 

Jeder kann den Vogel „erwerben“

Durch die penetrante Verbreitung des Tripadvisor-Vogels zb. in Indien kam bei uns irgendwann unweigerlich die Frage auf, wie einfach es wohl sein muss sich den „Recommended by Tripadvisor“ zu bestellen? Denn einfach JEDER hat ihn! Kommen die von Tripadvisor denn überhaupt noch nach mit kontrollieren? Respektive gibt es so etwas wie eine Kontrolle bei dem System überhaupt? Oder ist der Verdacht, dass Tripadvisor einfach eine weitere riesen Geldmaschine ist denen das Wohl ihrer Kunden herzlich egal ist, gar nicht so abwegig?

Zu diesem Thema möchte ich gerne auf den Test verweisen, den ein Restaurant in Italien zu diesem Thema mal gemacht hat. Sehr amüsant:

Der Test mit dem erfundenen Restaurant

Natürlich dementiert die Firma Tripadvisor die Vorwürfe. Ich hingegen bleibe skeptisch…

 

Tripadvisor nimmt dir jede Möglichkeit, individuell zu reisen

Jetzt mal ehrlich: Möchtest du dich wirklich auf die Bewertung von Hans aus Oberbayern, Richard aus Manchester oder Leonardo aus Sizilien verlassen? Die Geschmäcker und Gewohnheiten der Menschen sind doch so verschieden. Der Eine mag vielleicht fettige Speisen und grosse Portionen, wobei der Andere viel mehr Wert auf frische Zutaten legt? Das gleiche gilt für Hotel-Bewertungen. Die gleiche Matratze kann doch gleichzeitig als „superbequem“ und vom nächsten Nutzer als „viel zu hart“ bezeichnet werden? Und Hans aus Oberbayern war vielleicht zuvor noch nie irgendwo anders auf der Welt als in Deutschland, und empfindet dann den Standard des Bades seines Hotels in Thailand als „bedenklich“, während Richard aus Manchester vielleicht gerade auf Weltreise ist und ebendieses Bad als „sauber und ausreichend“ bezeichnen würde?

Siehste. Im Endeffekt kannst du dich doch sowieso nicht auf die Aussagen von Fremden verlassen.

Ausserdem hat das befolgen von Empfehlungen auf einem Portal wie Tripadvisor noch einen sehr negativen Effekt: Du wirst IMMER an Orten landen, die überwiegend von westlichen Touristen besucht werden. Und zwar egal ob du in Tschechien, Thailand oder Brasilien bist. Weil nämlich ALLE genau die gleichen Empfehlungen gelesen haben wie du. Musst du dafür wirklich verreisen?

 

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Meine Tipps

Ich empfehle: Handy aus- und Bauchgefühl einschalten. Du wirst 90 % Hotels und Restaurants besuchen in denen du fast der Einzige Tourist bist. Du wirst die günstigeren Preise und den freundlicheren Service antreffen. Und du wirst damit Leute unterstützen, die einen guten Job machen und sich noch freuen, wenn du ihr Unternehmen unterstützt. Und hin und wieder wirst du auch mal danebengreifen oder schlecht schlafen. Aber gehört das zum Reisen & Erkunden nicht auch ein bisschen dazu? 🙂

Und wenn du trotzdem wiedermal in einem Lokal mit Tripadvisor-Eule an der Tür landest, hast du es immerhin ausgesucht weil dein Bauchgefühl „ja“ gesagt hat. Weil es schön aussieht, die Karte gut gestaltet ist oder die Preise in dein Budget passen. Und nicht weil Leonardo aus Sizilien (den du gar nicht kennst und mit dem du unter Umständen so überhaupt gar nichts gemeinsam hast) es dir empfohlen hat!

Vielleicht denkst du ja beim nächsten Urlaub oder Städtetrip über meine Worte nach und probierst es einfach mal aus… 🙂 Ich für meinen Teil habe auf Reisen beschlossen, auf Tripadvisor, Yelp, Holidaycheck und wie sie alle heissen, zu verzichten. Und ich amüsiere mich mittlerweile köstlich, wenn ich andere Touristen aufs Handy fokussiert durch die Strasse laufen sehe, vorbei an unzähligen tollen Restaurants, nur um die Nummer Eins auf Tripadvisor zu finden. „Selbst schuld“, denke ich dann für mich.

 

4 Antworten

  1. jasmin sagt:

    Schö gschribe. Stimm voll und ganz zue. Top bericht :-*

  2. Flo sagt:

    Hett was. S gliiche passiert au mit Lonelyplanet bzw. De not-so-lonely planet. in Sri Lanka zb. sind hostels wos in LP gschafft hend sehr profitabel und chönnd mit em aasturm no zwei no-name Guesthouses fülle. Anderi und privati hend wenig Chance.

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