Varanasi – die unfassbare Stadt am Ganges…

In Varanasi gelandet, lernten wir ein russisches Päärchen kennen, mit denen wir uns das Taxi ins Zentrum teilten. Auch hier hatten wir wieder im ‚Zostel‘ gebucht, waren allerdings nicht so positiv überrascht wie beim letzten mal…aber immerhin, das Zimmer war sauber und wir hatten sogar einen kleinen Balkon.

Schon bei der Fahrt ins Zentrum konnte man feststellen, dass Varanasi keine gewöhnliche Stadt ist. Jede Facette einer indischen Stadt ist hier einfach noch um ein zehnfaches extremer – der Verkehr, die Menschenmengen, der Dreck etc…

Varanasi Strasse

Strassen in Varanasi

Müll...und silberne Kutschen mittendrin

Müll…und silberne Kutschen mittendrin

ohne Worte

ohne Worte

Am nächsten Morgen nahmen wir uns gleich als erstes eine Velorikscha runter zum Ganges. Dort spazierten wir ein bisschen am Ufer entlang, bis wir schliesslich ein nepalesisches Restaurant namens ‚Shiva Cafe‘ mit toller Frühstücks-Auswahl fanden. Danach liefen wir einfach umher…die Zeit vergeht wie im Flug in Varanasi; jeder Moment ist gefüllt mit Gerüchen, Geräuschen und so vielen Eindrücken!

Später an diesem Nachmittag nahmen wir uns eine Rikscha zur Eisenbahnbrücke (eine zweistöckige Brücke mit Bahnverkehr unten und Fahrzeugen oben), von wo aus man super am Ganges entlang hinunterlaufen kann. Die Stille entlang des Flusses ist unbezahlbar, man kann förmlich spüren dass dies ein heiliger Ort ist für ganz Indien… Immer wieder kamen wir an sogenannten ‚Ghats‘ vorbei; verschiedengrosse Plattformen aus Beton die leicht in den Fluss hineinragen. Man bekommt einen Eindruck davon, wie sich das Leben am Ganges abspielt – alles findet im oder am Ganges statt! Die einen waschen Wäsche, die anderen Kochgeschirr, die Kühe kühlen sich ab im Wasser, die Mönche und Pilgerer waschen sich im heiligen Wasser und weiter unten beim ‚Manikarnika Ghat‘ sieht man auch das wohl bekannteste Ritual in Varanasi – die Leichenverbrennung.

Eisenbahnbrücke über dem Ganges

Eisenbahnbrücke über dem Ganges

Am Ganges

Am Ganges

Badende Kühe

Badende Kühe

Varanasi Verbrennung

Die Leichenverbrennung…

...und im gleichen Wasser wird auch der Abwasch gemacht

…und im gleichen Wasser wird auch der Abwasch gemacht

Im Hinduismus glaubt man, dass das Leben ein Kreislauf aus Tod und Wiedergeburt ist. Einzig durch Verbrennung in Varanasi und das Verstreuen der Asche im Ganges erlangt man das Nirvana und kann somit ewig in Frieden ruhen. Praktisch läuft das ganze so ab, dass der leblose Körper in farbige Tücher eingewickelt, mit Blumen geschmückt und von Familienangehörigen zum Ufer des Ganges heruntergetragen wird. Dort wird die verstorbene Person ein letztes mal mit dem heiligen Wasser ‚gewaschen‘ und nach einer kurzen Trocknungszeit währen etwa drei Stunden auf einer Art ‚Scheiterhaufen‘ verbrannt. Da in drei Stunden nicht alle Knochen vollständig verbrennen, werden die Überreste in ein Tuch geschnürt und, wie die Asche, ebenfalls dem Ganges übergeben…
Dieses Ritual gilt allerdings nur für erwachsene Menschen. Kinder, schwangere Frauen und Heilige geniessen ein anderes, aus meiner Sicht makaberes Ritual. Wir wurden ebenfalls selbst Zeugen dieses Rituals. Ein lebloser Kinderkörper, ebenfalls eingewickelt in ein Seidentuch und oben und unten zugeschnürt, wurde am Ufer des Ganges auf einen riesigen, länglichen Stein geschnürt, auf ein Boot verladen und zusammen mit Familienangehörigen hinaus zur Mitte des Ganges geführt. Dort wird der Stein dann über Bord geschoben und die Leiche somit im Fluss ‚versenkt‘. Auch dieses Ritual soll der Legende nach ewigen Frieden und Nirvana bewirken.

Zum einen empfanden wir diesen Umgang mit dem Tod als sehr befremdend, teilweise als makaber…aber es ist nunmal in der hunduistischen Kultur so verankert. Und die Allgegenwärtigkeit des Todes in Varanasi macht einem auch irgendwie bewusst, dass jeder einmal gehen muss und diese Tatsache uns im Endeffekt alle vereint.
Wie gesagt, Varanasi ist schwer in Worte zu fassen und unserer Kultur zuhause vermutlich entfernter als jeder andere Ort in Indien, aber genau aus diesem Grund war der Ort irgendwie etwas ganz besonderes für uns.

Nach Varanasi flogen wir wieder zurück nach Delhi, wo wir nach einer Nacht dann Indien verliessen und den Flieger nach Thailand nahmen.
Eine meega spannende, aber gleichzeitig auch eine seeehr anstrengende Zeit in Indien ging zu Ende, und auch wenn uns zum Schluss viele Besondereiten Indien’s und seiner Bewohner gehörig auf die Nerven gingen, so werden uns die 1,5 Monate in Indien sicherlich als lehrreiche und spannende Zeit in Erinnerung bleiben…

image

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*